2. Impulse für den Mittelstandsanleihemarkt

Der Markt wird langfristig nur durch Qualität überlebensfähig sein. Transparenz und Aufklärung ist dafür ein wesentliches Fundament.
Es ist gut zu sehen, dass der Markt für KMU-Anleihen weiterhin Zuspruch von Seiten der Investoren erfährt, denn die angekündigten Transaktionen seit Anfang des Jahres werden voraussichtlich alle geschlossen werden. In Zeiten aufkommender Unsicherheiten und damit einhergehenden größeren Ausschlägen auf den globalen Kapitalmärkten ist es um so wichtiger, dass es effiziente lokale Kapitalmärkte gibt, an denen Investoren und Emittenten in einem verlässlichen Umfeld tätig sein können.
Das Funktionieren des Mittelstandsanleihemarktes – ungeachtet der negativen Nachrichtenlage der letzten Wochen und Monaten beweist einmal mehr, dass sich dieser Markt im deutschsprachigen Raum etabliert hat. Sogar, nachweislich die Möglichkeit hat weiteres Wachstum und Zuspruch von Investoren und Emittenten zu erhalten, insbesondere dann, wenn die globalen Märkte von Cryptowährungen, Zinsanstiegen und politischen Börsen beherrscht werden.
Als Investor in festverzinsliche Instrumente, sucht man die Gewissheit für die zukünftige Stabilität des Emittenten und Emission gleich bei der Zeichnung. Denn, anders als bei Aktien gibt es nur sehr begrenzt Wertsteigerungen zu erwarten. Und anders als bei Aktien steht der Kapitalerhalt, neben den regelmäßigen Zinszahlungen, im Vordergrund. Die Frage ist also, was passiert, wenn der Emittent sich nicht nach Plan entwickelt und es zu Schwierigkeiten kommt. Der Kurs der Anleihe würde dann sinken, bis zu einem Restwert an den Aktiva des Unternehmens. Zum einen ist es also wichtig einzuschätzen, wie die Wahrscheinlichkeit ist, dass etwas nicht nach Plan des Emittenten verläuft, und zum anderen, wie schnell man in einem solchen Falle davon erfahren würde, um von seinem Kündigungsrecht, bzw. Verkaufsrecht Gebrauch machen zu können.
Es ist also wichtig die Kredibilität, Bonität und somit Ausfallwahrscheinlichkeit eines Emittenten vor der Zeichnung zu verstehen. Neben der Bonität des Emittenten (Stichwort: Rating) ist eben auch die Struktur einer Emission hier maßgeblich. Bonitätsschwache Unternehmen bekommen auch Kredite, aber die Bedingungen dieser müssen eben dem Fall entsprechend sein. Denn nur durch die Struktur und wesentliche Sicherheitenaspekte zugunsten des Investors kann man möglichst früh erfahren, wenn etwas nicht Plan verläuft und eine Entscheidung zu einem möglichen Verkauf treffen.
Je nach Stabilität des Geschäftsmodells des Emittenten, sowie seiner allgemeinen Bonität sind natürlich unterschiedliche Klauseln- und Kontrollmechanismen gefordert. Eine Bank wird auch einem Unternehmen aus dem Dax30 einen Kredit zu anderen Bedingungen geben, als einem weniger etablierten Unternehmen mit stark schwankenden Einnahmen aus dem operativen Geschäft oder einem Unternehmen, welches bereits Kredite und Kapitalmarktfinanzierungen in großen Volumina aufgenommen hat. Auch die Kapitalmärkte differenzieren hier klar zwischen „Investment-Grade“ Emittenten mit guter/sehr guter Bonität und „High-Yield“ (Hochzins-Anleihen) mit schwächerem Profil und somit höherer Ausfallwahrscheinlichkeit während der Laufzeit der Investition.
Bei Letzteren wird ein Kapitalgeber, nicht nur eine höhere Verzinsung verlangen, sondern auch die Mittel zu deutlich umfangreicherer und strengeren Bedingungen („Covenant-Paket“) ausreichen. Diese Bedingungen dienen dazu, dass das Unternehmen auch hält was es verspricht und gewisse Regeln im wirtschaftlichen und finanziellen Handeln einhält. Sollten diese mal nicht eingehalten werden können, so hat dies Rechtsfolgen, bis hin zu einem Kündigungsrecht für die Bondinvestoren. Zunächst aber dienen die Covenants in erster Linie als Frühwarnsystem, wenn etwas nicht ganz nach Plan verläuft. Wenn es also etwas in diese Richtung definiert ist, so ist das Unternehmen verpflichtet die Investoren darüber zu informieren und diese so in die Entscheidungen früh zu involvieren. Nicht zuletzt als Zeichen der Wertschätzung zwischen Investor und Emittent ist dies ein wichtiges Element.
Es ist bezeichnend, dass im Mittelstandsanleihemarkt, bisher wenig Augenmerk auf das Thema der Sicherheitenaspekte zugunsten der Investoren gelegt wurde und es ist wesentlich, dass diese Entwicklung nachgeholt werden kann. Denn das lehrt uns die Erfahrung im Mittelstandsanleihenmarkt der letzten Jahre.
Natürlich kann nicht jeder Bondinvestor die Fähigkeiten eines Kreditspezialisten entwickeln und in einen qualifizierten Dialog mit dem jeweiligen Emittenten treten um notwendige Covenants einzufordern. Hierzu ist die Plattform BondWelt entstanden.
Bondwelt analysiert die Covenantstruktur einer neuen Anleihe und ordnet diese innerhalb des Marktes ein. So kann jeder Investor gleich vor seiner möglichen Zeichnung sehen, wie die Anleihe im Vergleich zu anderen festverzinslichen Wertpapieren anderer Emittenten abschneidet und welche Sicherheitsmechanismen, Covenants und Frühwarnindikatoren Teil der Struktur sind.

 
 
 

1 Response

  1. Peter Alexander
    Sehr guter Artikel. Bin gespannt wie es weitergeht mit dem Markt der Mittelstandsanleihen.

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